Zur Orgelmusik Olivier Messiaens, Studien zur Orgelmusik Band 2,Teil 1

Zur Orgelmusik Olivier Messiaens – Studien zur Orgelmusik Band 2 – Teil 1

„Ich bin gläubig geboren“ antwortet Olivier Messiaen, und damit entstehen für uns als Hörer die Probleme.

Olivier Messiaens Orgelmusik ist ohne weitere Erläuterung schwer verständlich.  Kaum zugängig für unbedarfte Ohren. Ich rede hier nur als Hörer. Und ein bestimmter Hörer, der zwar Orgelmusik und vor allem Orgelklänge die in Orgelmusik verwandelt werden, geschult ist zu hören, und darin eigentlich sein wichtigstes Hörerlebnis bisher hatte.

Nun aber, nach abermaligen Hören von Olivier Messiaens Orgelmusik, blicke ich gespannt in diese dunkle Ecke der Kirche und bin erstarrt, schweigsam erschüttert,  nach „Livre du Saint Sacrament“ – aber, und das ist hinzuzufügen, geschult durch eine Lektüre, die mir Hör-Richtung gab, nämlich oben besagter Band „Zur Orgelmusik Olivier Messiaens“ Teil 1 – Band 2, also um genau zu sein, es ist nur ein Buch aus den dreien, die ich alle vorzustellen gedenke.

Diese 3 Bände, die im Butz-Verlag im Jahre 2008 erschienen sind und die allesamt mit Beiträgen von Reimund Böhmig, Hermann J.Busch, Michael Heinermann, Burkhard Meischein, Paul Thissen und Lydia Weißgerber bestückt wurden, haben mich tief in die Orgelmusik Olivier Messiaens Einblick nehmen lassen. Für eine Wiederholung der Gedanken sind einige Notizen entstanden, die hier wiedergegeben werden.

Durch diese Vielfalt der Autoren wird  vorneweg ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Betrachtungsweisen des Phänomens „Olivier Messiaen“ gewährleistet.

Das Buch ist gut und leicht zu lesen. Weniger gut ist, dass die Verfasser der einzelnen Artikel streckenweise nicht leicht ausfindig zu machen sind – sie stehen nicht immer in der Überschrift. Mit etwas Übung erkennt man sie am Schreibstil.

 

Tradition und Meditation – Messiaens Wege zur Orgel. Burkhard Meischein berichtet vom historischen Weg Messiaens, auch seiner kulturellen Umgebung, leitet ab von Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ um auratisierende Strahlkraft, das das Kunstwerk in seiner Sonderstellung erhält, das entscheidende Wirkungskraft festhält, die das Bewusstsein öffnen lässt für das Transzendente, das Göttliche, für eine andere Welt.

Im September 1931 wurde Messiaen, unterstützt durch Empfehlungen Widors, Duprés, Tournemires und anderer zum Titularorganisten an der Kirche La Tinité ernannt – als 22jähriger ! – dort wo er jeden Sonntag drei Messen spielen sollte.

Es ist heute selten, von Seele zu reden, wir hören meist etwas von „Emotion“, das klingt anglo-wissenschaftlicher und man gibt keine „Religionszugehörigkeit“ preis.

Die Orgelmusik Messiaens gründet auf dem christlichen Glauben, und hier ist es Tradition, dass die Seele des Menschen weniger durch Verstandestätigkeit geformt und gebildet wird, als durch eine Art ganzheitlicher Seelenbildung, in der auch die Kunst elementaren Stellungswert bekommt.

Die Seele beurteilt moralisch, ethisch, religiöse Fragen aus dem seelischen Inneren heraus, hier hat die Kunst einen besonderen Platz.

In diesem Sinne ist jedes Kunstwerk sakral.

Auch der Gesang der Vögel kann religiös erfahren werden.

Méditations sur le mystére dee la Ainte Trinité: Schweigen, Entspannung, inneres Lauschen. Es gilt sich von der Welt, ihrem Druck und der von ihr ausgehenden Ablenkung zu befreien und sich in die Tiefe der Wahrheit zu versenken, spüren, was über das bloße Menschsein hinausgeht.

Messiaens Musik weist in diesem Sinne immer über sich hinaus.

 

Der Komponist als Theologe– zu Messiaens Musikotheologie von Michael Heinemann.

Zitiert eine Äußerung von Charles Tournemire „Alle Musik, die nicht auf der Verherrlichung Gottes basiert, ist unnütz“ – wobei noch der Hinweis erfolgen sollte: „aber Gott ist keine einfache Sache“. Vielleicht die wichtigste Voraussetzung für das Verständnis des geistigen Habitus von Olivier Messiaen ist die Kenntnis der Schriften von Ernest Hello (1828-1885) – eines Autors, der , nicht unbeeinflusst von Sören Kierkegaard ist.

Hierzu erfolgt ein wegweisendes Zitat aus Hello, Mensch und Mysterium:“Die Kunst ist der Ausdruck der Idee durch ein wahrnehmbares Zeichen. Sie findet  aber ihren Ausdruck nur unter einer Bedingung, und diese ist die Bedingung der Liebe. Die Liebe ist das Leben der Kunst. Beinahe sind wir bei Albert Schweitzer gelandet.

Die Liebe ist eine reife, fallende Frucht. Aber was wollt ihr lieben, wenn ihr an nichts glaubt?

Das Mysterium entspricht einem der tiefsten Bedürfnisse der Natur des Menschen, dem Bedürfnis nach Anbetung. Der Mensch betet nicht an, was er völlig begreift.

Hellos Schriften scheinen Messiaens die Grundlagen seiner katholischen Ästhetik geliefert zu haben.

Weitere Schriften Romano Guardinis (Von heiligen Zeichen), Kempen (Nachfolge Christi), Balthasar (Herrlichkeit), Marmion (Christus, das Leben der Seele) werden genannt.

 

Vom Reiz der Unmöglichkeiten – Anmerkungen zu den Modi Messiaens, Beitrag von Lydia Weissgerber – die ich durch die Bank weg unverstanden hier stehen lassen muss und mich gleich zu den Werken weiter begebe.

 

La Banquet céleste – Das himmlische Gastmahl (Messiaens erstes, 1928 im Druck erschienenes Orgelwerk. ein sehr reizende, zartes, sanftes und frühlinghaftes Stück.. OM)

Apparation de lÈglise éternelle – Die Erscheinung der ewigen Kirche

Prélude – Präludium (wurde erst 1997 im Nachlass gefunden)

Offrande au Saint Sacrament (Weihegabe für das Heilige Sakrament)

Diptyque – (Diptychon) gilt als schwarzes Schaf unter den Orgelwerken Messiaens; als klassizistisch, gar rückwärtsgewandt und konventionell, gleichzeitig aber gilt es als am häufigsten gespielt. Entstanden vermutlich 1929

L’Ascension – (Die Himmelfahrt)

La Nativité du Seigneur – (Die Geburt des Herrn)

Les Corps glorieux – (Die verherrlichten Leiber)

 

Materialien:

Die Orgeln des jungen Messiaen (Busch)

Zur Frage der Registrierung Messiaenscher Orgelwerke (Böhmig)

Die Einführungstexte Messiaens

Französisch-deutsches Glossar

Programmzettel von 1935/36

 

gwm

 

 


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