Archive for the ‘Orgelbau’ Category

Graziano Fronzuto - ORGANI DI ROMA -

Samstag, Januar 1st, 2011

Graziano Fronzuto - Organi di Roma, ISBN 978 88 22 5674 4, Firenze 2007, mit CD-Rom auf der in zwei PDF-Dateien 171 Bilder von verschiedenen Orgeln aus Rom und diverse Dispositionen sowie technische Erläuterungen enthalten sind. Text in italienischer Sprache.

Auf den ersten Textseiten werden die auf der CD-Rom enthaltenen Orgelbilder in Form einer Liste dargestellt. Es werden außerdem die verschiedenen Quellen und Bibliographien aufgeführt.

Schwerpunkte im Textbuch stellen die Orgeln der Hauptkirchen,

S. Giovanni in Laterano (Geschichte, Grundriss der Kirche mit Angaben wo die Orgeln zu finden sind, Geschichte des Orgelbaus, Dispositionen der  verschiedenen Orgeln, am Ende Bilder der verschiedenen Orgeln)

S.Maria Maggiore (Darstellung wie oben, aber ergänzt mit Quellen und Internetseiten)

S.Paolo Fuori le Mura (Darstellung wie oben)

S.Pietro in Vaticano  (Darstellung wie oben)

Namensverzeichnis

Dieses Buch, dass Graziano Fronzuto mir noch rechtzeitig vor den Feiertagen zukommen ließ, schließt eine wichtige Lücke, in der die reiche Anzahl an Orgeln in Rom in einer Schrift  (Text und Digital) aufbereitet wird. Eine Liste mit Kirchen und Orgelerbauer erleichtert das Auffinden bestimmter Spuren.

Da auch verschiedene Dispositionen vorhanden sind, die man nicht einfach auf dem Netz der Netze findet, und Hinweise auf die Historie ausführlich abgehandelt werden, erscheint mir dieses Buch besonders wichtig. Denn in Italien gibt es nicht wie in Deutschland eine reichhaltige Orgelliteratur.

gewalcker@t-online.de

 

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Klinda, Ferdinand Orgelregistrierung

Sonntag, November 14th, 2010

Dieses Buch, das 1995 bei Breitkopf&Härtel in der 2.Auflage erschienen ist, was ganz sicher bei der gegenwärtigen Orgelliteratur eine besondere Auszeichnung ist, hat mich von Beginn an zutiefst begeistert.

Wir erfahren hier nicht nur etwas über die Orgelregistrierungen sondern ebenso über Orgelklang und Orgelgestalt. Und das natürlich immer, da sich das Buch zuerst einmal  an den Orgelspieler wendet, im Kontext zur Orgelliteratur, sprich zum Notenmaterial und den Kompositionen die für Orgel geschrieben wurden.

Also Historie, Orgeltyp- und Komposition, sein Klang und seine Beziehung zu den bestimmten Ländern und Zeiten darzustellen und  in einer dermaßen leicht zu lesenden Schrift zusammenzufassen, das war ein großes Kunststück, das Ferdinand Klinda hier gelungen ist.

Hier zunächst das Inhaltsverzeichnis des Buches:

Teil I Allgemeines zur Klanggestaltung

Einleitung

Historische Grundlagen der Registrierkunst

Theorien des Registrierens

Orgelbaukundliche Erkenntnisse

Probleme der Stimmungen

Registermischungen

Klangwechsel

Raumakustische Betrachtungen

Hörpsychologische Betrachtrungen

Der gute Geschmack

Teil II Stilregistrierungen

Registrierungen mittelalterlichen Orgelmusik

Registrierungen italienischer Orgelmusik des 16. bis 19.JH

Registrierungen niederländischer Orgelmusik des 16. bis 18.JH

Registrierungen  französischer Orgelmusik des 17. und 18.JH

Registrierungen englischer Orgelmusik des 16. bis 18.JH

Registrierungen spanischer Orgelmusik des 16. bis 18. JH

Registrierungen deutscher Orgelmusik des 16. bis 18.JH

Zur Registrierung de Orgelwerke Johann Sebastian Bachs

Registrierungen polnischer Orgelmusik des 17. und 18.JH

Registrierung der Orgelmusik des 19.JH

Registrierung der Orgelmusik des 20.JH

Klinda, Ferdinand (1995): Orgelregistrierunge /// Orgelregistrierung. Klanggestaltung der Orgelmusik /// Klanggestaltung d. Orgelmusik. 2., verb. Aufl. Wiesbaden u.a: Breitkopf & Härtel

 

Ich möchte auf unseren Blog über italienische Orgelregistrierung verweisen, wo ein größerer Auszug aus dem Buch vorgenommen wurde:

Grundlagen der klassischen italienischen Orgel und ihre Parallelen in Santa Cecilia

 Und ich möchte einen weiteren Auszug geben aus Kapitel 21 – Registrierungen der Orgelmusik des 19.JH.    

Kapitel 21

Registrierungen der Orgelmusik des 19.Jahrhunderts

 

Der für die Orgelmusik des 19.JH verwendete Begriff Orgelromantik schließt in sich viele unterschiedliche Stilmerkmale ein; darum bedeutet er kaum mehr als eine Sammelbezeichnung für einen allgemeinen, bereits im Bach-Zeitalter sich anbahnenden Entwicklungstrend. Die Musik des 19.JHs mit ihren  neuen inhaltlichen, kompositorischen und spieltechnischen Elementen entspringt einem geänderten Klangideal. Weil dies aber in krassem Widerspruch zu den Prinzipien der klassischen Orgelkunst steht, wurde die ganze Epoche der Orgelromantik, zumindest in Deutschland, aus der Sicht der Orgelerneuerungsbestrebungen des 20. Jahrhunderts lange als Verfallserschei­nung betrachtet und abgelehnt.

 

Die Klangwelt der Orgelromantik ist tatsächlich andersgeartet als die der vorherigen und nachfolgenden Epochen und kann nicht mit deren Maßstäben gewertet werden. Das Musikschaffen in der Zeit der Romantik basierte auf eigenen ästhetischen Grundsätzen und zielte auf andere Emotionsbereiche. Mit absoluten Wertschätzungen, mit klassischen Begriffen der Orgelkunde oder mit Berufung auf ein »immanentes Gesetz der Orgel« kann man nicht zum Verständnis der romantischen Orgelmusik gelangen. So wie in allen früheren Zeiten sind auch der romantische Orgelklang und seine Anwendung ein inte­grierter, unverwechselbarer Bestandteil der Epoche. Gewiß wird diese Musik auch auf anderen Orgeltypen gespielt - das ist das Schicksal aller Orgelmusik -, doch kann sie nicht nachträglich aus einem späteren Ideal erklärt oder »nachgestaltet« werden. Zum rechten Verständnis kommt man auch hier nicht ohne das Bewußtwerden der Einheit von inhaltlichem Erfassen und klanglicher Realisierung.

Charakteristisch und progressiv ist an der romantischen Klangästhetik, daß u. a. neue, bisher kaum beachtete Klangelemente Gewicht erhalten und auch inhaltlich eine bedeu­tende Rolle spielen, weil sie in nie dagewesenem Maße am Musikprozeß beteiligt wer­den.

 

Die wichtigsten Merkmale der romantischen Orgelklang-Gestaltung sind folgende:

 

1.  Die Dynamik erhält erstrangige Bedeutung. Statt der flächenhaften Klangbehandlung und der klassischen Werkkontraste werden progressive Steigerungen und Abschwächungen des Klanges als wichtige Bauelemente des Stückes verwendet und zugleich als Aus­drucksmittel auch in kurzen Abschnitten genutzt. Der werkmäßige Klangaufbau der Orgel wird aufgegeben und stattdessen eine dynamisch terrassenhaft gestufte Ordnung der Manuale eingeführt. Das erste, als Hauptmanual, ist das stärkste, jedes weitere ist zunehmend schwächer besetzt. Die Orgel wird als einheitlicher Klangkörper aufgefaßt, die Einzelstimmen werden in eine dynamische Hierarchie eingeordnet. Der dynamische Bereich der Orgel führt bis in Extreme: in kaum noch zu hörende Säuselregister und Sammelschaltungen aller Orgelregister zum Tutti.

2.  Im Bereich der Klangfarben entwickelt sich die Vorliebe für kleinste Unterschiede und Schattierungen innerhalb einzelner Registergruppen, für weiche, satte und dunklere Far­ben, für grundtönige Klänge mit mehr Fülle und Gravität, aber auch für streichende Klänge und solistische orchestrale Zungen. Die Dispositionen werden zunehmend grundtöniger, die 8′-Lage wird vorherrschend, höhere Fußtonlagen dienen nur zur Verstär­kung der Klangbasis. Hohe Mixturen und Zimbeln vermeidet man; krasse, scharfe und durch Obertonregister erzeugte synthetische Klänge sind unbeliebt. Die nun tiefer lie­genden und tief repetierenden Mixturen sollen lediglich die letzte Steigerung bewirken - auch sie dienen der Verstärkung des Grundtones. Auf den Tonhöhenwert der Ton­leiter wird erneut mehr Gewicht gelegt. »Hilfsstimmen« und gemischte Stimmen sollen »nur den Zweck haben, die Klangfülle durch Verstärkung der Obertöne zu vermehren, nicht aber das Gefühl für Tonhöhe in bezug auf verschiedene Oktavlagen gänzlich zu verwirren« (Hugo Riemann, Handbuch der Orgel, Berlin 1888). Von den Mixturen ver­langt man, daß sie weit mensuriert sind und nicht höher als auf 2′ anfangen. Die Oktav­chöre sollen das Übergewicht behalten, damit die Bedeutung des Haupttons eindeutig ist. Die Repetitionen werden als notwendiges Übel angesehen. Darum wird die nicht repetierende Progressio harmonica gebaut; das Kornett gilt als beliebteste gemischte Stimme - vielfach als Kornettmixtur einzige Klangkrone der kleineren Orgeln.

3.   Die Aliquoten erhalten eine andere Funktion, es kommt im Gebrauch zu einer Um­wertung. Diese nunmehr als »Neben-Register« oder »Hilfsstimmen« eingestuften Re­gister werden nicht mehr als Klangcharakteristika, sondern nur zur Unterstützung, Stär­kung und Färbung der 8′-Lage gebraucht und nie in Lückenregistrierungen, nur mit komplettem, massivem Unterbau eingesetzt. Das 16′-Register wird in jedem Manual verlangt, »da hierdurch erst die Tonfülle gesichert ist. Quintatön 16′ als einzige l6-füßige Stimme zu nehmen ist zu verwerfen, da diese keinen festen Grundton gibt« (A. Grosse- Weischede, Orgelbau, Orgelton und Orgelspiel, Bochum 1910).

4.  Die registrative Steigerung wird dementsprechend in einer anderen Reihenfolge der Register und mit dem Ziel eines stufenlosen dynamischen Anwachsens des Klanges durch­geführt. Riemann lehrt im Handbuch der Orgel: »Um zuerst von den Manualstimmen zu sprechen, so kann eine schwache Flötenstimme 8′ zuerst durch Hinzufügung von einer, zwei oder drei sanften Flötenstimmen, und zwar ebenfalls zu 8′, allmählich verstärkt werden. Erst dann würde Prinzipal 8′, dann Oktave 4′, dann Bourdon oder Gedackt 16′ hinzutreten. Eine weitere Verstärkung bringt eine Quinte 22/3 (zu Prinzipal 8′ gehörig)  gewalcker@t-online.de

 

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Thomas Lipski „Die Konzertsaalorgel in Deutschland”

Freitag, Juli 23rd, 2010


Thomas Lipski „Die Konzertsaalorgel in Deutschland – von den Anfängen im 19.Jahrhundert bis in den II.Weltkrieg“ ISBN-13-978-3-928243-33-9 

und als Ebook ISBN-13-978-3-928243-34-6 (kann geordert werden bei www.vpe-web.de ) —       ein großer Wurf, ein gutes Buch, ein wichtiges Buch. Warum?

Man könnte meinen, dass dieses Buch zur richtigen Zeit erscheint. Zu einer Zeit in der man sich anschickt, die Orgel wieder einmal aus der säkularen Perspektive sehen zu wollen-  um so wenigsten die Orgel vor den Flutungen der Kirche  zu retten. Wie einst symbolisch die Titanic-Orgel  gerettet werden sollte, weil der Orgelbauer andere Probleme hatte, als eine Schiffsreise nach Neu-York.

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Aber lassen wir diese Diskussion. Denn Reden über Orgel wird auch in Zukunft und vielleicht auch in hundert Jahren ein Reden sein über die Orgeln des 17. bis 19. Jahrhundert.

Wobei uns nun Thomas Lipski vielleicht die Tür aufgemacht hat, auch Orgeln zu sehen und zur Kenntnis zu nehmen, die ohne dieses Buch unseren Blickwinkel nicht mehr erreicht hätten.

Ich weiß nicht, ob in einer postindustriellen Zeit überhaupt noch das Interesse für solcherlei pluralistische Ausformungen der Orgelvielfalt erhalten bleiben wird, oder ob es wie in manchen Orgelkonzerten zugeht, wo sieben wackere Orgelklangfetischisten das Fähnlein der Getreuen halten.

Aber sicher weiß ich, dass bis dato kaum ein Orgelbuch erschienen ist, das in derartig guter Aufmachung, in solch grundsolider Recherche und dazu noch eines der spannendsten Kapitel der deutschen Orgelgeschichte sachgerecht serviert. Dabei wird auch verstanden die Spannung wie in einem Kriminalroman bis ans Ende aufrecht zu erhalten.

Ganz großen Dank an Thomas Lispki für diese mühselige Kleinarbeit, die wieder einmal zeigt, was gute Musikwissenschaftler zu leisten in der Lage sind.

Es war mir eine unheimliche Freude, im Laufe der letzte vier oder fünf Jahre ab und zu mit Thomas Lispki über dieses Buchprojekt telefonieren zu können, weil das Thema mich immer schon interessiert hatte.

Auch später deshalb, weil wir mit unseren Orgeltätigkeiten einen gewissen Höhepunkt nach dem Untergang des Hauses Walcker im Jahre 1999 in der Restaurierung der Walcker-Konzertsaal-Orgel in Bukarest hatten, was übrigens zur Folge hatte, dass wir heute an der Konzertsaalorgel in Rom, Santa Cecilia tätig sein dürfen, die  leider nur noch das Gehäuse von Walcker hat, dafür aber einer ganz eigenwilligen Idee  des großen Lehrers und Orgelspielers Fernando Germani in Sachen „Neobarockorgel“ folgt.

Für alle Fachleute, die das alles weniger interessieren wird, sei gesagt, dass in diesem Buch rund achtzig Orgeln besprochen werden und in System und Disposition beschrieben sind.

Das Buch hat insgesamt 437 Seiten. Es beginnt im I.Teil mit Historischen Aspekten (in England, Frankreich, die Reformbewegungen im 20Jh., Konzert - und Saalorgel des Dritten Reichs). Im II. Teil werden besprochen, die Akustik der Konzertsäle, Prospektgestaltungen und Positionierungen im Konzertsaal, es werden alle technischen Windladensysteme erläutert. Dazu kommen Erklärungen zu Spieltischeinrichtungen, Windversorgung, pneumatische Balanciers und elektrische Trakturen. Auf über 25 Seiten wird sehr dezidiert auf die klanglichen Innovationen eingegangen.

Hier ist sehr interessant die Erläuterung des dynamischen Dispositionsprinzips und leider etwas zu wenig, die Bedeutung der Mensuren. (würde aber den Rahmen des Buches sicher sprengen).

Der wichtigste und bedeutendste Teil ist natürlich der III. Teil, die Dokumentation der verschiedenen einzelnen Orgeln.

Das ist auch sehr gut mit den schwarz-weißen Fotos gelungen, die gut ins Buch integriert wurden.

Nach meiner Zählweise sind es 75 Orgeln bis 1945, dann werden noch die historischen und neugestalteten Orgeln in Wien Musikverein, Wien Konzerthaus, Salzburg Mozarteum und Zürich Tonhalle sehr gut mit Dispositionen erwähnt.

Ich denke, dass man die ersten beiden Teile des Buches mit größter Freude und erheblichem Gewinn rasch durchlesen wird und das der III.Teil für viele Leser seine Spezialitäten haben wird, die man einfach wissen will. Dann aber steht das Buch als gutes Nachschlagewerk im Regal, das bei vielen Fragen umfangreiche und genaue Antworten weiß.

 

gwm (bei 35Grad in Rom)

 

Berühmte Orgeln der USA - Hans Uwe Hielscher

Samstag, April 24th, 2010

Ohne dieses Standardwerk kommt man heute, selbst als sprachlich versierter Internetuser, kaum in den Genuss den angloamerikanischen Orgelbau richtig und grundsätzlich verstehen zu können.Von Hielscher werden (alle) wichtigen Orgeln mit Dispositionen erläutert. Neben geschichtlicher Entwicklung zeigt er Besonderheiten des us-amerikanischen Orgelbaus. Und er beschreibt die ganz wichtigen Instrumente detailliert. Natürlich sind allen Orgeln die Dispositionen beigeheftet. Ich habe alle die bei ihm aufgeführten Orgeln hier listenmässig in den Blog aufgeführt, so dass jeder der diesen Blog ausdruckt ein übersichtliches Dokument über den nordamerikanischen Orgelbau in der Hand hat.

Buchtitel und Data: Hans Uwe Hielscher, Berühmte Orgeln der USA, 2.Auflage 2002, Verlag Christoph Dohr, ISBN 3925366911

 

 

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Einflüsse auf den us-amerikanischen Orgelbau:

Europäische Romantizismen, englische Kathedraltraditionen, das farbige symphonische Konzept Cavaillé-Colls und französischer Komponisten, Orchestertranskriptionen und Theaterorgeln haben allesamt Einfluss auf den amerikanischen Orgelbau des 19.Jahrhunderts. Die älteren Firmen wie Hook & Hastings, Hutchings, Roosevelt, Pilcher, Estex, Kimball, Hall, Möller, Skinner, Austin oder Wurlitzer antworten auf die Nachfrage der neuen amerikanischen Orgel von der Jahrundertwende an. Aber es ist wichtig festzuhalten, dass der Begriff „amerikanischer Orgelbau“ bis zum Ende des 19.Jahrhunderts für mechanische Orgeln steht. Zwar verrsuchen sich Orgelbauer wie Hutchings, Möller, Hook & Hastings, Estex und Pilcher schon früh an Röhrenpneumatik, aber badl folgt man den Pionierarbeiten der Roosvelts auf dem Weg in die elektropneumatische Traktur, mit der die Mehrzahl nach 1900 erbauten größeren Orgeln Amerikas ausgestattet wird.

Die USA-Begeisterung des Hans-Uwe Hielscher ist also nicht zu überhören. Wenngleich es vielleicht angemessen wäre, die USA heutzutage nicht unbedingt mit ganz Amerika gleichzusetzen.

Dass auch in den Staaten sich zunächst Pneumatik und dann Elektropneumatik ihre technischen Wege bahnten, ist nicht verwunderlich. Es mutet eher seltsam an. die begeisterte Aufnahme heutzutage der „Elektrizität“ die nicht nur bei den ersten Orgeln (von etwa 1900 bis zum ersten Weltkrieg) ihre besonderen Heimtücken erst im laufe der Zeit offenbarten, als verschmorte Kontakte und die Empfindlichkeit der Reisserschen Solenoidmagneten langsam ins Bewusstsein drangen. Oft wurden zu dieser Zeit , in den USA wie auch in Europa, komplette Kontaktarmaturen größerer Orgel beinahe jährlich ausgetauscht, was man schon als Fortschritt empfand gegenüber den ersten „elektrischen“ (Weigle-Orgel 1872 während der Weltausstellung) bei denen das pro Konzert gehandhabt wurde.

Insofern schließe ich mich Hielscher überhaupt nicht an in der Auffassung, dass elektrische Systeme vor dem Ersten Weltkrieg besondere Vorteile hatten gegenüber anderen Techniken.

 

Geschichte des amerikanischen Orgelbaus

Beeinflusst durch die neue Walcker-Orgel der Boston Music Hall (1863), werden die Dispositionen in größeren Instrumenten durch neue Register erweitert, besonders bei Hook & Hastings, Hohnson, Hurchings oder Roosevelt. Im Gret kommen weitere Mixturen und Aliquote hinzu, und schon um 1875 sind komplette Zungenchöre zu 16’ 8’ und 4’ im Great und Swell keine Seltenheit. Das Choir steht erst ab ca. 1890 im Schwellwerk. Hier sind oft zwei Diapason 8’ ( Geigen und English) disponiert sowie Gedackte und oder Flöten der 8’ Lagen und verschiedene Formen der 4’- und 2’ Lage. Das Pedal in größeren Orgeln wird um labiale 8’ , 4’ und Cornet-Mixturen erweitert. Ab ca. 1900 werden erstmals elektrische Gebläsemotoren eingebaut. In der Intonation legt man Wert auf einen durchsichtigen Prinzipalchor von mittleren Mensuren. Die Trompeten klingen rauh., Oboen und Klarinetten sind die einzigen ergänzenden Zungen, die Vos humana wird Ende des Jahrhunderts eingeführt.

1905-1914 steigt die Zahl der Immigranten jährlich auf über eine Million (…) vor allem aus Russland, Italien, Österreich (..)

Zu den europäischen Musikern die im ersten Viertel des Jahrhundert nach USA reisen sind A. Guilmant, J.Bonnet, L, Vierne, M. Dupré, lässt außer Acht, dass Karg-Ehlert u.a. deutsche Organisten dorthin reisen

Neue Firmen erobern den Markt (Möller, Austin, Skinner)  (..) Wurlitzer Kinoorgel

Rückbesinnung auf den klassischen Orgelbau (Holtkamp, Harrison später Fisk, Andover, Noack, Schantz, Möller, Austin, Wicks, Fritts)

In heutigen Tagen sind viele Orgeln mit elektronischen Zusatzregister (Allen)

 

Die Orgelbauer des 19. und 20. Jahrhunderts

Darstellung der einzelnen Firmen mit Gründungsjahr, wobei der Schwerpunkt auf Darstellung von Skinner liegt.

Goodrich 1805,

Pilcher & Sons 1820,

Henry Erben 1822,

Hook & Hastings 1827,

Richard M.Ferris 1840,

Johnson & Son,

Simmons 1845,

Estex Organ Comp. 1846,

Jardine 1850,

Kilgen & Sons 1851,

Odell 1859,

Pfeffer 1859,

Midmer-Losh 1860,

Steere & Turner 1867,

Hilborne und Roosevelt 1872,

Schantz 1873,

Hutchings & Votey 1875,

Möller 1875,

Schoenstein 1877,

Casavant 1879,

Farrand & Votey 1890,

Kimbal 1890,

Murray M. Harris 1895,

Austin 1899,

Aeolian 1900,

Skinner 1901,

Hope-Jones 1907,

Wicks 1908,

Reuter 1917,

Aeolian-Skinner 1931,

Holtkamp 1931,

Schlicker 1932,

Andover 1948

Noack 1960

Fisk 1961

 

Orgelstadt Boston

So wurde die Ankunft der Walcker-Orgel in Boston weithin als Beginn einer neuen Ära in der amerikanischen Orgelwelt gesehen. (..)

In den folgenden 21 Jahren fanden wöchentliche Orgelkonzert an der neuen Walcker-orgel in der music Hall statt, die Dudley Buck zusammen mit seinen Kollegen aus Boston hier vor einem außerordentlich großem Publikum gab. (…) Standartrepertoire von Bach und Mendelssohn über Rinck, Lemmens, Thiele, Lefébure und vor allem Transkriptionen, gelegentlich auch Improvisationen. Auch virtuose Konzertstücke amerikanischer Komponisten fehlten nicht. (..) sie dienten vor allem dazu, die Effekt- und Perkussionsregister der Orgel vorzustellen, mit dem mächtigen Tutti die Wände erzittern zu lassen (..)

Weitere Orgeldarstellungen mit Dispositionen

Boston, Church of the Immaculate Conception (Hook 1863)

Boston, Cathedral of the Holy Cross (Hook & Hastings 1875 III/70 Reg.)

Boston, Trinity Church (Roosevelt, Skinner, Aeolian-Skinner)

Boston, Church of Convenant IV/64 (Welte-Tripp 1929)

Boston, Church of Advent (Aeolina-Skinner 1936 III/76 Reg)

Boston, Church of Christ (Aeolian-Skinner 1952 IV/153)

Boston, King’s Chapel (Fisk 1964 III/38 Reg.)

Boston, Music Hall (Walcker 1863 IV/88 Reg. – keine Transmissionen)

Methuen, Memorial Music Hall (Aeolian-Skinner 1947, IV 84 Reg. (max. 30%Walcker))

Worcester, Mechanics Hall, (Hook 1864 IV/52 Reg.)

Portland, City Hall (Austin 1912, 1927, IV86 Reg.)

New Haven, Trinity Episcopal Church, (Aeolian-Skinner 1935, III/67 Reg.)

New Haven, St. Mary´s (Hook 1871, III/45 Reg.)

New Haven, Yale University (Hutchings-Votey 1903, Steere 1915, Skinner 1928, IV/142)

New Haven, Yale University Chapel (Holtkamp 1951, III/54)

New Haven, Yale University Chapel (Beckerath 1971 III/39)

New York, Cathedral St. John (Skinner 1911, Aeol-Skinner 1954, IV/95)

New York City, St. Patrick’s Cathedral (Kilgen 1930, V/177 mit Trans)

New York City, St. Bartholomew’s (Skinner 1918, Aeol.-Skinner 1970-71, V/165)

New York City, St. Thomas (Skinner 1913, Aeoli.-Skinner 1956, V/117 mit Trans)

New York City, St. Thomas (Tayler & Body 1996, II/24)

New York City, Riverside (Aeoli.-Skinner 1955, V/146)

New York City, Loyola (Mander 1993, IV/68)

West Point (NY), US Milit.Chapel, (Möller 1911, IV/230)

Ocean Grove (NJ) Great Auditorium (Hope-Jones u.a. 1908, V/164 ranks)

Atlantic City (NJ) Convention Hall, (Midmer-Losh 1929-32, VII/314 Reg.)

Washington DC, National Cathedral (Skinner 1939, Aeol.-Skinner 1964, IV/127 Reg.)

Washington DC, Mational Shrine (Möller 1965 Hauptorgel IV/113 Reg, Chor III/49 Reg.)

Washington DC, Nat.City Christ (Skinner 1930, Möller 1976, V/141 ranks)

Philadelphia, Wanamaker Grand Court Organ (LosAngArtOrganCo 1904, VI/357 Reg)

Philadelphia, Girard College (Skinner 1933, IV/82 Reg)

Kennett Square, Gardens Ballroom (Aeolian 1929, IV/146 ranks)

Pittasburgh Shadyside Presb.Church (Reuter 1995, IV/81 Reg.)

Detroit Jefferson Av.Presb.Church (Skinner 1926, IV/62)

Ann Arbor University (Farrand 1893, Skinner 1929, Aeol.-Skinner 1955 IV/89 Reg.)

Charlotte Calvary (Moller 1990, V/155 Reg.)

Dallas, Meyerson Symph,Center (Fisk, 1992, IV/65)

Denver Trinity Un.Meth.Church (Roosvelt 1888, IV/65)

Colorado Springs Protest.Chapel (Möller-Holtkamp 1964, III/67 mit Trans)

Salt Lake City Mormon Tabernacle (Aeolian-Skinner 1948 (Gehäuse 1869) V/147 Reg.)

Salte Lake City Conferenc Center (Schoenstein 2001, V/103 Reg.)

Seattle University (Reuter 1999, IV/70)

San Francisco Grace Cathedral (Aeolian-Skinner 1934, Casavant 1974, V/91 Reg.)

San Francisco St. Mary´s (Ruffati 1971, IV/65 Reg.)

San Francisco Trinity Epsicopal (Skinner 1925, IV/49)

San Diego Spreckels Organ Pav. (Austin 1914, IV/57)

Garden Grove Crystal Cathedral (Skinner 1962, Ruffatti 1977/82, V/229 Reg.)

Garden Grove Crystel Arboretum (Aeolian-Skinner 1951 IV/72 Reg.)

Redlands University (Casavant 1928, IV/51 Reg.)

Long Beach Los Altos United Meth.Ch. (Simmons 1852, Rosales/Bozem 77/92, II/28 Reg)

Pasadena Presbyterian Church (Aeolian-Skinner 1961 IV/71 Reg.)

Pasadena Lake Avenue Conc.Ch. (Casavant 1989, IV/84 Reg.)

Los Angeles Imm.Presb.Church (Skinner 1929, IV/50 Reg.)

Los Angeles Westminster Chapel (Schlicker 1958, III/27 Reg.)

Los Angeles First Congr. Church (Aeolian-Skinner 1932 V/239 Reg.)

 

Im Anhang befinden sich noch folgende Unterlagen

Ernest Skinner: Eine Studienreise ins Ausland

Henry W.Willis: Mein erster Amerika-Besuch

Besonderheiten amerikanischer Spieltische

Bezeichnung der Tonhöhen an anglo-amerikanischen Orgeln

Erklärungen Registernamen und Fachausdrücke

Nordamerikanische Orgelbaufirmen der Gegenwart

 

gwm

Josef Angster - Das Tagebuch eines Orgelbauers

Montag, März 29th, 2010

Berichtet über seine Reise durch Deutschland, Schweiz, Frankreich etc. und ist ab 1859 beim Titzschen Orgel-und Harmoniumwerkstatt angestellt wo er sorgsame Beobachtungen einträgt. Man erfährt viel über die damalige Zeit und die Orgeln dieser Zeit. So zeigt ihm der Orgelbauer Haas seine Luzerner Orgel oder er schreibt über seine Intonationsarbeit an eigenen Instrumenten. Arbeitet bei Aristide Cavaillé-Coll und schreibt ganz nett von seinen Arbeiten dort. Das war 1864. Er macht ganz schöne Zeichnungen, die dem Tagebuch mit eingefügt sind und ist offensichtlich in den “gotischen” Stil verliebt. Das Buch hat  rund 320 Seiten. Darunter solche Sätze: Der Patron Cavaillé-Coll, der soeben angekommen ist, nahm eine brennende Lampe zur Hand und sagte mir: “Suiver mois, S’il vous plais” und führte mich ins Innere der Orgel. (Trocadero). Oder zur Wiener Weltausstellung 1873: (..) Die Beste war die Salonorgel mit 15 Register von Walcker aus Ludwigsburg. (..) Und es gibt ein komplettes Werkverzeichnis Angsters. Quergelesen.  (gwm)  ISBN 3-926276-57-6

Falls Sie das im normalen Buchhandel nicht erhalten, können Sie es bei mir bestellen: gerhard@walcker.com

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Hans Henny Jahnn - buchvermerkt

Donnerstag, Oktober 1st, 2009

Dichter, Orgelbauer, Phantast, Revolutionär - alles dies Attribute die  dem unfassbaren Jahnn nur zeitweise und immer nur bedingt gerecht werden. Orgelbauer allerdings wollte er sein, musste er sein, bis zu seinem Ende in Armut, und vor allem in einem Zustande des Unverstandenseins. Als Orgelbauer wurde er bis heute am wenigsten anerkannt.

Nur eine einzige Schrift hat sich intensiv mit dem “Orgelbauer Hans Henny Jahnn” auseinandergesetzt, und das ist eines der spannendsten Orgelbücher überhaupt, die ich gelesen habe, nach ” Markus Zepf -Praetorius”, “Robert Schneider - Schlafes Bruder” nun also “Thomas Lipski - Hans Henny Jahnns Einfluß auf den Orgelbau”.

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an diesen verschiedenen Leseproben, die zwei ersten weißen Seiten zeigen das Inhaltsverzeichnis, soll gezeigt werden mit welcher Detailfreude und Zitierlust, der Musikwissenschaftler Lipski hier gearbeitet hat. Es werden  Hintergründe um “Reinoldi” ebenso gezeigt, wie das gesamte Orgelschaffen HHJ und seine entsprechenden Gedanken dazu.  Endnote: absolut-ohnbedingt empfehlenswert.

Erst nach Lektüre dieses Buches leuchtet auf, warum uns in den nicht mehr vorhandenen Orgelwerken HHJahnn’s, Instrumente fehlen, die unwiederbringliche Zeitzeugen eines großartigen Künstlers waren, und die uns heute mit Sicherheit eine großartige Klangdimension offenbaren könnten, die wir so als rettungslos verloren sehen müssen.

Rüdiger Wagner - Hans Henny Jahnn - Der Revolutionär der Umkehr

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Wagner beschreibt HHJ aus seinen großen mythischen Romanen “Fluß ohne Ufer” und “Perrudja”. Und er zeigt dessen Leben im Angesichte der Orgelbewegung, der Zeit-Umstände und dem Ende zu mit Zweifeln an der Harmonik. Hanns Henny Jahnn wird einem in diesem Buch am sympathischsten geschildert.

Das Entsetzen Jahnns vor bestimmten Methoden der Wissenschaften (siehe drittes Blatt - rot markiert- (…) was für tolle Barbaren sind wir!) erinnern mich sehr stark an Worte eines anderen Idealisten, die sonst kaum miteinander verglichen werden können, nämlich an Albert Schweitzer.

Die stark erotisch betonten Komponenten im Denken und Wirken Hans Henny Jahnns sparen beide genannten Autoren aus. Mit Sicherheit zu Recht, da in solche Dinge erfahrungsgemäß mehr hinein interpretiert wird, als tatsächlich darin enthalten war. Die nachfolgenden beiden Bücher touchieren das Thema leicht, und dann klingen manche Ideen des jungen Hans Henny Jahnn in heutiger Zeit überaus grotesk:

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 Fluß ohne Ufer - Schriftreihe der Hamburger Kulturstiftung, in diesem gut bebilderten, hervorragend gemachten Band, wird das Leben Hans Henny Jahnns sehr schön geschildert und mit vielen seiner wunderbaren Wortschöpfungen angereichert. Auch hier endigt der Band mit einer gewissen Auflösung des “harmonischen Weltbildes” und einem Brief Jahnns an Ludwig Voß, in dem der Glaube in Zweifel umschlägt. “Die Stille der Nacht war deutlicher denn je!” (FLuß ohne Ufer S. 372-374)

Hans Henny Jahnn - Ugrino - Die Geschichte einer Künstler - und Glaubensgemeinschaft, von Jochen Hengst und Heinrich Lewinski.

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Dieser Band bereitete mir vor allem deswegen einen Genuss, weil hier teilweise die “Ugrino-Verfassung”, die Dogmen der Glaubensgemeinschaft, die etwa von 1919-1925 bestand, aufgeführt sind. Wer das zweite Blatt gelesen hat, versteht, um was es dort ging. “Frauen ist der Zugang zur Oberleitung versagt (ein grauenhaftes Wort, das später erläutert wird, es bedeutet das Triumvirat bestehend aus Hans Henny Jahnn, dem Bildhauer Franz Buse und F.Gottlieb Harms, welche die oberste Instanz der Ugrino-Gemeinschaft darstellen) Sie sind davon - auch als Freunde - ausgeschlossen, weil sie Kinder gebären können. § 18n.

Auch der ebenfalls unter “Genie” abgehandelte Paragraph (Blatt 2) ist lesenswert und offenbart ein extrem von der bestehenden Gesellschaft abgewandtes Verhalten, also das einer recht fanatischen Clicke, die uns heute sehr seltsam anmutet. In der damaligen Zeit waren solche Gruppierungen (Hesse-Glasperlenspiel) nicht unbedingt selten. Mit Sicherheit haben diese Formulierungen HHJ’s Leben im Kirchenbetrieb sehr schwierig gestaltet und für Zündstoff in der folgenden Nazizeit gesorgt. Dennoch ist bemerkenswert, dass Jahnn von Zürich aus mit Walcker in Geschäftskontakt war und die eine oder andere Disposition mit Mensuren gestaltete.

Von Jahnn selbst habe ich das im antiquarischen Markt extrem teuer gehandelte Bändchen ” Hans Henny Jahnn - Der Einfluß der Schleifwindlade auf die Tonbildung der Orgel” gescannt und stelle es hier zur freien Verfügung.  hhj_sl_ugrino.pdf

Am Schluß möchte ich noch auf eine Merkwürdigkeit der letzten Tage eingehen, nämlich auf Hans Henny Jahnn als “Daniel in der Löwengrube”, wie angemerkt von  Henny Jahn alias Walentowitz, im ARS ORGANI 3/2009.

Man tut dem Ideal nichts Gutes indem man ihn aus dem allermenschlichsten Bereich ins Jenseits erhebt. Niemand im Dritten Reich hat sich Hitler und seine Gang ausgesucht, in dem Sinne, dass man das ungeheure Maß dieses Verbrechertums vorausgesehen hat. Und kein Mensch heute kann genau abschätzen, wie er sich in einem solchen Denunziantenstaat verhalten würde, wo jederzeit Auschwitz oder Dachau gedroht haben. Heutztage also berühmte Namen an die Wand zu malen und als charakterlose Lumpen abzuhandeln, nachdem die Nazis 6 Jahre lang gewütet haben - das ist schon eine sehr gewagte Selbstüberhebung.

Hans Henny Jahnn war im Orgelbau seiner Zeit angekommen und geschätzt. Ein Problem bereitete seine künstlerische Persönlichkeit und seine auf  Eros gründende Kunst. Dies waren Dinge, die natürlich besonders in der braunen, kleinbürgerlichen Enge der damaligen Zeit extrem schlecht ankamen. Auch heute würde das in dem anstehenden “postfundamentalen Christentum” der “Provinz Hamburg”, das durchaus mit “Enge” zugepflastert ist, zumindest mit völliger Ignoranz gesegnet werden. Im Süden stehen die Zeichen noch wesentlich schlechter, hier herrschen teils bürokratische Diktaturen die kaum noch durchschaut werden können. Vielleicht hätte Jahnn mit einem Außenminister Westerwelle in Berlin keine Probleme. Allerdings bin ich mir da nicht ganz so sicher.

Hier noch ein paar Links auf Hans Henny Jahnn auf unseren Seiten:

Proportion I

Hans Henny Jahnn schrieb bereits im Jahre 1940 in einem Brief an seine Geliebte Judit Später verdichtet sich in Jahnn dieser Zweifel mehr und mehr,
www.walckerorgel.de/gewalcker.de/seite11.htm

[PDF]

Wunderlich

21. Jan. 2006 Hans Henny Jahnn habe berechtigterweise Zweifel an den Fähigkeiten der Firma Kemper gehabt. Wobei hier unterschiedliche Auffassungen mir
www.walckerorgel.de/gewalcker.de/wunderlich.htm

JahnnundOW

Roswitha Schieb. “… die riesenhafte Panflöte der Orgel …” Hans Henny Jahnn und der Ludwigsburger Orgelbauer Oscar Walcker
www.walckerorgel.de/gewalcker.de/inner_c/jahnnundow.htm gwm

Preisverfall auf dem Reprint-Orgelbuch-Markt

Samstag, September 26th, 2009

Reprints sind Bücher, die 50 oder 60 Jahre oder mehr nach Erscheinen der Originalausgaben meist in einfacher Form nachgedruckt werden. Im Orgelbereich hat sich hier der Verlag Frits Knuf aber auch Baerenreiter einen Namen gemacht.Ganz besonders gelungene Reprints waren für mich Orgelbau, Orgelton und Orgelsspiel von Grosse-Weischede (Knuf) und Andreas Werckmeister - Orgelprobe (Baerenreiter).Schaut man heute in ZVAB nach, das sind die vereinigten Antiquariate auf dem Internet, finden wir momentan einen enormen Preisverfall von Orgelbüchern, sicher, weil das Interesse auch gewaltig nachlässt.Ich möchte hier einige Exemplare vorstellen, die ich für wichtig und gut halte. Zunächst gescannte Buchdeckel, dann eine Liste mit erläuterten Bücher

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und hier nun wirkliche Prachtexemplare zu Preisen zwischen 15 und 20 Euro

Schlimbach, G. C. Fr.:

Über die Structur, Erhaltung, Stimmung, Prüfung etc. der Orgel.

Reprint der Ausgabe Leipzig 1801. XL,303 Seiten und 6 Falttafeln, broschiert (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 8/ Frits Knuf Verlag 1966).  Sprache: Deutsch

 

 

Kittel, Johann Christian:

Der angehende praktische Organist,

oder Anweisung zum zweckmäßigen Gebrauch der Orgel bei Gottesverehrungen in Beispielen. Drei Abtheilungen. With an introduction by Gerard Bal. Reprint der Ausgaben Erfurt 1801,1803 und 1831(3. vermehrte, verbesserte und wohlfeilere Ausgabe) in einem Band. XI,364 Seiten mit zahlreichen Notenbeispielen, gebunden (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 72/ Frits Knuf Verlag 1981)Sprache: Deutsch

 

Biermann, Johann Hermann:

Organographia Hildesiensis Specialis,

seu Celeberrimorum quorundam in Urbe ac Patria praecipuis autem (ut vocantur) Monasteriorum Ruralium Ecclesiis, hujusce Dioeceseos Hildesiensis ac vicinis aliquot locis sitorum Artificiose perfectorum, ampliori structura spectabilium, ob earundem, quas de praesenti exhibent, Dispositionum varietatem selectissimarum itidem Vocum, praestantiam singularem, intuitu, observatione ac notitia praeprimis dignorum Organorum Succincta Lustratio, seu dispositiva ac compendiose (nonnullis adnotamentis hinc & inde sparsim intermixtis) data Descriptio cum Dedicatione speciali. Reprint der Ausgabe Hildesheim 1738. Mit einem Nachwort neu hrsg. von Ernst Palandt 1930. 79 Seiten mit 5 Abb., broschiert (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 29/ Frits Knuf Verlag 1981).Sprache: Deutsch, Lateinisch

 

Fellerer, Karl Gustav:

Studien zur Orgelmusik des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Ein Beitrag zur Geschichte der Orgelmusik. Reprint der Ausgabe Kassel 1932. 135 Seiten und 29 Notenbeispiele, Leinen (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 48/ Frits Knuf Verlag 1980).  Sprache: Deutsch

 

Kroyer, Theodor:

Joseph Rheinberger.

Reprint der Erstausgabe Regensburg 1916. VII,264 Seiten mit zahlreichen Notenbeispielen sowie drei Abb., gebunden (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organ and organ-building; Vol. 78/ Frits Knuf Verlag 1986).  Sprache: Deutsch

 


 

Grosse-Weischede, A.:

Orgelbau, Orgelton und Orgelspiel.

Reprint der Ausgabe Bochum 1910. VI,183 Seiten mit 34 Abb. und zahlreichen Notenbeispielen, broschiert (Bibliotheca Organologica; Vol. 25/ Frits Knuf Verlag 1985).Sprache: Deutsch

 

Loewenfeld, Hans:

Leonhard Kleber und sein Orgeltabulaturbuch als Beitrag zur Geschichte der Orgelmusik im beginnenden XVI. Jahrhundert.

With notes by Peter Williams. Reprint der 1897 in Berlin erschienenen Ausgabe. 82 Seiten mit einigen Notenbeispielen, broschiert (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 19/ Frits Knuf Verlag 1968).Sprache: Deutsch, Englisch

 

Bruckner-Bigenwald, Martha:

Die Anfänge der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung.

Reprint der Ausgabe Sibiu-Hermannstadt 1938. 102 Seiten, broschiert (Verlag Frits A. M. Knuf 1965)Sprache: Deutsch

 

Richter E.F./ Walther Edmund Ehrenhofer:

Zwei Bücher in einem Band:

Katechismus der Orgel. Erklärung ihrer Struktur besonders in Beziehung auf technische Behandlung beim Spiel. Reprint der 3. Auflage o. J. VIII,120 Seiten mit 25 Abb. / Taschenbuch des Orgelbau-Revisors. Mit böhmischer und ungarischer Terminologie sowie einem Anhange, enthaltend die in der Orgelbaukunst am häufigten gebrauchten Formeln und Tabellen. Reprint der Ausgabe Wien 1908. VI,322 Seiten, broschiert (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 17/ Frits Knuf Verlag 1980).  Sprache: Deutsch

 

 

Wolfram, Joh. Christian:

Anleitung zur Kenntniß, Beurtheilung und Erhaltung der Orgeln

für Orgelspieler und alle diejenigen, welche bey Erbauung, Reparatur, Prüfung und Erhaltung dieser Instrumente interessirt sind. 2. Reprint der 1815 in Gotha erschienenen Ausgabe. XX,365 Seiten und 2 Abb., broschiert (Bibliotheca Organologica: Facsimiles of rare books on organs and organbuilding; Vol. 3/ Frits Knuf Verlag 1972).  

Sprache: Deutsch

 

gwm

Roland Eberlein, Orgelregister, ihre Namen und ihre Geschichte

Dienstag, September 8th, 2009

Roland Eberlein, Orgelregister, ihre Namen und ihre Geschichte, erschienen 2008 im Siebenquart-Verlag Dr. Roland Eberlein, 766 Seiten

 

Es ist nicht einfach diesen Band mit einem klaren Wort zu fassen. Grund dafür sind vor allem die mehr oder weniger „mängelbehafteten“ Vorgänger, ob sie nun „Mahrenholz“, „“Locher“ oder sonst wie heißen mögen.

Der Tanz um Orgelbegriffe und ihre Auslegungen hat mit der wissenschaftlichen Methodik nicht abgenommen, sondern führt mit neugefundenen Worthülsen zu immenser Begriffsinflation in Spezialgebieten, wie den des Orgelbaus, was sich besonders leicht und deutlich mit Computermechanik nun endlich endlos aufblähen lässt.

Und genau das Gegenteil wäre erwünscht, nämlich Vereinfachung, Reduzierung aufs Wesentliche, weg mit allem unnötigen Ballast: klare Denkstrukturen und reine Horizonte. 

In heutiger Zeit ein solches Buch zu schreiben, da liegt es auf der Hand mit Computerunterstützung zu arbeiten und es wird auch direkt am Ende des Buches auf die CD-Rom mit Orgelregisterdatenbank zu weiteren 50.–€ eingeladen.

Ich persönlich halte diese Kombination jedoch für den Orgelbauer für absolut zeitgemäß und richtig, habe allerdings meine Probleme (nach den ersten 100 Tagen begeisterter Verwendung des Bandes) mit diesem Lexikon, einmal in der praktischen Handhabung und ein anderes Mal im schnellen Auffinden wichtiger Information.

Um das zu erklären, möchte ich mein Ideal kurz vorstellen.

Nehmen wir an, ich suche eine Rohrflöte 4’, wie sie im süddeutschen Raum um 1850 üblich war. Im idealen Fall finde ich eine Skizze mit den wichtigsten Maßen und C-Mensuren von Walcker, Steinmeyer, Wetzel, und einen kurzen Hinweis auf den Klang, was immer irgendwie subjektiv gefärbt sein darf. Oder es gibt eine Klangprobe aus der Datenbank, am besten noch der zusätzliche Hinweis, wo man das Register heute noch auffinden kann.

Bei Eberlein finden wir zum Thema „Rohrflöte“ rund 4 sehr enggedruckte Seiten (wie alles in diesem Buch natürlich enggedruckt ist), aber mit 7 verschiedenen Mensuren von 1511 bis zur heutigen Zeit. Alleine diesen Artikel durchzuarbeiten benötigt man rund 20 Minuten, wobei eben das Problem auftritt, dass die Historie nicht linear dargestellt wird. Sondern es werden die unterschiedlichen Bauweisen und Funde  in verschiedenen Ländern gezeigt. Mir ist nicht klar, ob dahinter eine Systematik steckt. Das Positiv von Strobel 1559 kommt relativ am Ende des Artikels. Man kann also nicht von „hinten nach vorne lesen“ oder sich irgendwie in einem „Zeitrahmen“ bewegen.

Ein weiteres Beispiel „Italienisch Principal“.

Dazu möchte ich noch kurz zur Einleitung des Buches zurückkehren.

Hier begründet Eberlein völlig zu Recht, dass er nicht auf dem Werk von Christhard Mahrenholz „Die Orgelregister, ihre Geschichte und ihr Bau“ aufbauen konnte, weil das Buch von ganz gründlichen Irrtümern nur so wimmelt. Und nach meiner Auffassung nicht nur das, sondern es ist ein ideologisches Machwerk, das Mahrenholz besser „Mein Kampf um die Orgelregister“ hätte titulieren sollen. Und Eberlein weist sehr gewissenhaft die Mahrenholzschen Fehlleistungen nach, so dass man also nach Studium des Vorwortes sehr gut über diese Zusammenhänge informiert ist.

Nun aber im Lexikonteil unter „Italienisch Principal“ weitere Attacken auf Mahrenholz und Jahnn zu finden, ist nicht jedermanns Sache. Da denkt man, die Sache sei ausgestanden, aber es finden weitere Hiebe statt: „Aber unfaßbarerweise hat der als Wissenschaftler ausgebildete Christhard Mahrenholz Jahnns Vorstellung von „italienischen Principal“ unbesehen in das damalige Standardwerk über Orgelregister übernommen und diesem Hirngespinst obendrein eine zentrale Position in der Geschichte der Registerentwicklungen beigemessen als Stammvater der weiten zylindrischen Flötenregister (siehe Einleitung), obwohl ihm unmöglich verborgen geblieben sein kann, dass keine Fakten vorlagen, auf die sich Jahnns Behauptung stützen konnte.“

Tatsächlich weist Eberlein schlüssig nach, dass Jahnns Annahme von einer weiten Mensur der italienischen Principale, was Mahrenholz unbesehen übernommen hatte, absolut unhaltbar bleibt.

Aber, und jetzt kommt der Hasenfuß, Eberlein bringt nicht eine einzige Mensur oder einen winzigen Hinweis aus einer typisch italienischen Orgel, wo dieser Nachweis in Zahlenform aufleuchtet, sondern nur einen lapidaren Satz: „Der Unterschied zwischen Italienisch Principal und normalem, „deutschen“ Principal reduzierte sich mithin auf eine etwas flötigere Intonation und eventuell etwas schmalere Labiierung des Italienisch Principals.“

Das ist aber zu wenig und rechtfertigt in keinem Falle die zuvor gemachte Polemik.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Bornefeld in Murrhardt, der im Hauptwerk der Murrhardter Orgel nur ein Italiensch Principal 4’ disponierte und keinen dem Prinzipalpleno angemessenen „deutschen“ Principal, und wie Bornefeld mit gleicher Auffassung wie Mahrenholz argumentierte. Nach aller Erkenntnis heute, wäre ja eine Diskussion um richtig oder falsch disponiert nur im Angesichte der reinen nachweisbaren Zahlen (Durchmesser und Labienmensuren) zu führen, und nicht mit der Begründung, das wird halt etwas flötiger intoniert.

Conclusio: Wir Orgelbauer werden immer gerne auf den „Eberlein“ zurückgreifen, weil so umfassend noch keiner ein Buch über Orgelregister hat schreiben können. Dennoch ist es berechtigt Warnungen auszustoßen. Zum Beispiel könnte man heute via Datenbanken großartige Bücher über Orgeln und ihre Dispositionen schreiben oder sonstwie, das “flüssige” Wort der Datenbanken wie weiland der Zauberlehrling den Besen auf die Orgel-Menschheit loslassen, das in der biblischen “Sprachverwirrung=Babylon=Barbaria” endet. Das schlimmste Übel, das das Alte Testament kannte, und das mit höchster Wahrscheinlichkeit unsere heutige Zeit mehr betrifft als andere Zeiten.

Heutzutage bin ich eher der Auffassung zu sagen: Jedes Buch, das nicht geschrieben wurde, ist ein gutes Buch, - weil es stört mein Interesse nicht, das heißt meine Ablenkung vom Thema wird minimiert. Denn das Thema muss immer irgendwie heißen: „Liebet Eure Orgeln, und auch Eure Frauen!“

Und mit diesem Satz, den auch Albert Schweitzer gesagt haben könnte, möchte man ja eigentlich nur andeuten, dass all dieser ganze abstrakt aufleuchtende Kosmos an Begriffen und Worten ums Thema Orgel uns immer auch vom Wesen der Orgel etwas ablenkt.

Oder - das große Geheimnis um Orgel und Orgelmusik kann eben auch vom Wort erstickt werden.

gwm

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Wilhelm Sauer - Orgelwerkstatt 1831-1995, H.J. Falkenberg, 2 Bände

Samstag, Februar 21st, 2009

Falkenberg hat mit diesen beiden Bänden einen Standard geschaffen für Orgelliteratur über Orgelbauer und ihre Werkstätten. Beide Bände zeichnen sich aus durch eine sehr gute Lesbarkeit, umfassende akribische Aufnahme aller wissenswerter Fakten, gute Übersicht. Die Bücher sind sowohl leicht lesbar und können gut für die Praxis verwendet werden.

Der erste Band erschien kurz nach der Wende im Verlag Rensch 1990, der zweite, leider in der Qualität etwas dürftiger ausgefallen, im Musikwissenschaftlichen Verlag, Kleinblittersdorf 1998.

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Mit dem ersten Band “Wilhelm Sauer 1831-1916″ erhalten wir eine hervorragende Darstellung der Geschichte rund um die Firma und Wilhelm Sauer, im zweiten Teil des Buches werden die einzelnen Orgeln der Reihe nach vorgeführt, mit hervorragenden Skizzen oder Fotografien und Dispositionen, die allesamt erläutert werden. Man kann diesen Band wie ein Lesebuch durch die Deutsche Orgelromantik studieren. Es macht unheimlich Spass hierUntersuchungen anzustellen. Nachfolgend das Deckblatt des Buches, Inhalt und ein Musterblatt, das mir besonders gefiel.
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Der zweite Band im Verlag meines Vaters erschienen, beschäftigt sich also ab 1910, wo das Unternehmen bis 1999 im Eigentum der Familie Walcker war, mit der wechselvollen Geschichte durch die zwei Weltkriege und der noch lange nicht aufgearbeiteten Zeit der Ulbricht-Honecker-Ära. Sehr interessant die wirtschaftlichen Zusammenhänge die Falkenberg erläutert, und natürlich werden die Dispositionen, Mixturzusammensetzungen und Windladensysteme sowie Zusammenhänge dazu erläutert.

Hier also Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Beispielblatt

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gwm

Handbuch der Orgelkunde, Winfried Ellerhorst, 1936, online-Ausgabe

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Das Handbuch der Orgelkunde, kurz “der Ellerhorst” hat jeden Orgelbauer irgendwann gestreift, und sei es nur im negativen Sinne. Der über 840 Seiten schwere Wälzer wurde von einem begeisterten österreichischen Orgelfreund gescannt und Scan samt Buch wieder an mich retourniert. Wir hatten uns vorher geeinigt das Ganze dann online allen Interessenten zur Verfügung zu stellen.

Was bietet uns dieser Band? Eigentlich müsste man ein PDF online stellen, das textlich abgefragt werden kann, damit der Vorteil der lexikalischen Behandlung hier genutzt werden kann. Dies ist aber aus technischen Gründen z.Zt. nicht möglich. Wahrscheinlich wird solch eine Variante Ende des Jahres von mir per DVD zur Verfügung gestellt. Die hier vorliegende Form ist ein komprimiertes PDF-Format, das insgesamt rund 85MByte beansprucht.

Am Inhaltsverzeichnis erkennt man schnell wohin der Hase rennt: I)Grundlagen der Mathematik, Physik, II) der Klang III) Werkstoffe IV) Der Klangkörper der Orgel V) Stimmung der Orgel VI) Winderzeugung und -leitungen VII) Windladen VIII) Die Steuerung der Orgel IX) Der Spieltisch X)Die Dynamik der Orgel XI) Stellung der Orgel im Raum XII) Aufbau der Orgel (Statik, Gehäuse etc) XV) Entwicklung Orgelklangstile XVI) Geschichte ORgelmusik und dann noch Orgelbauer, Orgelsachberater und Vergebung von Orgelbauten, Pflege der Orgel.

Insgesamt also eine rein technische Sicht zur Orgel in der Zeit der 30er Jahre. Also eine sehr begrenzte Perspektive.

Ich denke, dass zur Restaurierung der Instrumente der damaligen Zeit das Hinzuziehen des “Ellerhorst” immer eine interessante Bereichung darstellt. Bei der technischen Seite allerdings ist schon allein aus der veralteten Formeldarstellung ein gewisses Problem. Hinzu kommt, dass Ellerhorst eine Menge an Formeln eingebracht hat, die kein normaler Orgelbauer je benutzt hat. Ganz gut aber sind die verschiedenen elektropneumatischen Kästchen dargestellt und Steuerungen aus dieser Zeit.

Heute wäre es eigentlich an der Zeit eine griffigere Variante zu erstellen, die mit all dem unnötigen und weit ausholenden Erläuterungen Schluss macht. Ansätze dazu bietet Mahrenholz und Goebel. Dazu wäre eigentlich nur erforderlich die wichtigsten Hebelgesetzte, Windberechnungen, Elektrik und gegenwartsbezogene Elektronik einzubinden. Wenn man dazu noch in der Lage wäre dieses ganze Rechnen in computergestützte Formen einzubringen, würde Ellerhorstens Werk wohl auf 100 Seiten sein Ende finden.

Aber dazu werden wir es im Orgelbau wohl nicht mehr bringen, weswegen die alten Schlachten immer wieder neu geschlagen werden müssen und dann die alten, überlebten Bücher wieder und wieder aufgeschlagen werden müssen.

Das vorliegende Buch hat zwischen Seite 65 und 80 produktionsbedingt fehlende Seiten.

hier also nun : Ellerhorst”Handbuch der Orgelkunde” PDF 87 MB

gwm