Archive for the ‘Orgelregister’ Category

Roland Eberlein, Orgelregister, ihre Namen und ihre Geschichte

Dienstag, September 8th, 2009

Roland Eberlein, Orgelregister, ihre Namen und ihre Geschichte, erschienen 2008 im Siebenquart-Verlag Dr. Roland Eberlein, 766 Seiten

 

Es ist nicht einfach diesen Band mit einem klaren Wort zu fassen. Grund dafür sind vor allem die mehr oder weniger „mängelbehafteten“ Vorgänger, ob sie nun „Mahrenholz“, „“Locher“ oder sonst wie heißen mögen.

Der Tanz um Orgelbegriffe und ihre Auslegungen hat mit der wissenschaftlichen Methodik nicht abgenommen, sondern führt mit neugefundenen Worthülsen zu immenser Begriffsinflation in Spezialgebieten, wie den des Orgelbaus, was sich besonders leicht und deutlich mit Computermechanik nun endlich endlos aufblähen lässt.

Und genau das Gegenteil wäre erwünscht, nämlich Vereinfachung, Reduzierung aufs Wesentliche, weg mit allem unnötigen Ballast: klare Denkstrukturen und reine Horizonte. 

In heutiger Zeit ein solches Buch zu schreiben, da liegt es auf der Hand mit Computerunterstützung zu arbeiten und es wird auch direkt am Ende des Buches auf die CD-Rom mit Orgelregisterdatenbank zu weiteren 50.–€ eingeladen.

Ich persönlich halte diese Kombination jedoch für den Orgelbauer für absolut zeitgemäß und richtig, habe allerdings meine Probleme (nach den ersten 100 Tagen begeisterter Verwendung des Bandes) mit diesem Lexikon, einmal in der praktischen Handhabung und ein anderes Mal im schnellen Auffinden wichtiger Information.

Um das zu erklären, möchte ich mein Ideal kurz vorstellen.

Nehmen wir an, ich suche eine Rohrflöte 4’, wie sie im süddeutschen Raum um 1850 üblich war. Im idealen Fall finde ich eine Skizze mit den wichtigsten Maßen und C-Mensuren von Walcker, Steinmeyer, Wetzel, und einen kurzen Hinweis auf den Klang, was immer irgendwie subjektiv gefärbt sein darf. Oder es gibt eine Klangprobe aus der Datenbank, am besten noch der zusätzliche Hinweis, wo man das Register heute noch auffinden kann.

Bei Eberlein finden wir zum Thema „Rohrflöte“ rund 4 sehr enggedruckte Seiten (wie alles in diesem Buch natürlich enggedruckt ist), aber mit 7 verschiedenen Mensuren von 1511 bis zur heutigen Zeit. Alleine diesen Artikel durchzuarbeiten benötigt man rund 20 Minuten, wobei eben das Problem auftritt, dass die Historie nicht linear dargestellt wird. Sondern es werden die unterschiedlichen Bauweisen und Funde  in verschiedenen Ländern gezeigt. Mir ist nicht klar, ob dahinter eine Systematik steckt. Das Positiv von Strobel 1559 kommt relativ am Ende des Artikels. Man kann also nicht von „hinten nach vorne lesen“ oder sich irgendwie in einem „Zeitrahmen“ bewegen.

Ein weiteres Beispiel „Italienisch Principal“.

Dazu möchte ich noch kurz zur Einleitung des Buches zurückkehren.

Hier begründet Eberlein völlig zu Recht, dass er nicht auf dem Werk von Christhard Mahrenholz „Die Orgelregister, ihre Geschichte und ihr Bau“ aufbauen konnte, weil das Buch von ganz gründlichen Irrtümern nur so wimmelt. Und nach meiner Auffassung nicht nur das, sondern es ist ein ideologisches Machwerk, das Mahrenholz besser „Mein Kampf um die Orgelregister“ hätte titulieren sollen. Und Eberlein weist sehr gewissenhaft die Mahrenholzschen Fehlleistungen nach, so dass man also nach Studium des Vorwortes sehr gut über diese Zusammenhänge informiert ist.

Nun aber im Lexikonteil unter „Italienisch Principal“ weitere Attacken auf Mahrenholz und Jahnn zu finden, ist nicht jedermanns Sache. Da denkt man, die Sache sei ausgestanden, aber es finden weitere Hiebe statt: „Aber unfaßbarerweise hat der als Wissenschaftler ausgebildete Christhard Mahrenholz Jahnns Vorstellung von „italienischen Principal“ unbesehen in das damalige Standardwerk über Orgelregister übernommen und diesem Hirngespinst obendrein eine zentrale Position in der Geschichte der Registerentwicklungen beigemessen als Stammvater der weiten zylindrischen Flötenregister (siehe Einleitung), obwohl ihm unmöglich verborgen geblieben sein kann, dass keine Fakten vorlagen, auf die sich Jahnns Behauptung stützen konnte.“

Tatsächlich weist Eberlein schlüssig nach, dass Jahnns Annahme von einer weiten Mensur der italienischen Principale, was Mahrenholz unbesehen übernommen hatte, absolut unhaltbar bleibt.

Aber, und jetzt kommt der Hasenfuß, Eberlein bringt nicht eine einzige Mensur oder einen winzigen Hinweis aus einer typisch italienischen Orgel, wo dieser Nachweis in Zahlenform aufleuchtet, sondern nur einen lapidaren Satz: „Der Unterschied zwischen Italienisch Principal und normalem, „deutschen“ Principal reduzierte sich mithin auf eine etwas flötigere Intonation und eventuell etwas schmalere Labiierung des Italienisch Principals.“

Das ist aber zu wenig und rechtfertigt in keinem Falle die zuvor gemachte Polemik.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Bornefeld in Murrhardt, der im Hauptwerk der Murrhardter Orgel nur ein Italiensch Principal 4’ disponierte und keinen dem Prinzipalpleno angemessenen „deutschen“ Principal, und wie Bornefeld mit gleicher Auffassung wie Mahrenholz argumentierte. Nach aller Erkenntnis heute, wäre ja eine Diskussion um richtig oder falsch disponiert nur im Angesichte der reinen nachweisbaren Zahlen (Durchmesser und Labienmensuren) zu führen, und nicht mit der Begründung, das wird halt etwas flötiger intoniert.

Conclusio: Wir Orgelbauer werden immer gerne auf den „Eberlein“ zurückgreifen, weil so umfassend noch keiner ein Buch über Orgelregister hat schreiben können. Dennoch ist es berechtigt Warnungen auszustoßen. Zum Beispiel könnte man heute via Datenbanken großartige Bücher über Orgeln und ihre Dispositionen schreiben oder sonstwie, das „flüssige“ Wort der Datenbanken wie weiland der Zauberlehrling den Besen auf die Orgel-Menschheit loslassen, das in der biblischen „Sprachverwirrung=Babylon=Barbaria“ endet. Das schlimmste Übel, das das Alte Testament kannte, und das mit höchster Wahrscheinlichkeit unsere heutige Zeit mehr betrifft als andere Zeiten.

Heutzutage bin ich eher der Auffassung zu sagen: Jedes Buch, das nicht geschrieben wurde, ist ein gutes Buch, – weil es stört mein Interesse nicht, das heißt meine Ablenkung vom Thema wird minimiert. Denn das Thema muss immer irgendwie heißen: „Liebet Eure Orgeln, und auch Eure Frauen!“

Und mit diesem Satz, den auch Albert Schweitzer gesagt haben könnte, möchte man ja eigentlich nur andeuten, dass all dieser ganze abstrakt aufleuchtende Kosmos an Begriffen und Worten ums Thema Orgel uns immer auch vom Wesen der Orgel etwas ablenkt.

Oder – das große Geheimnis um Orgel und Orgelmusik kann eben auch vom Wort erstickt werden.

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Wilhelm Sauer – Orgelwerkstatt 1831-1995, H.J. Falkenberg, 2 Bände

Samstag, Februar 21st, 2009

Falkenberg hat mit diesen beiden Bänden einen Standard geschaffen für Orgelliteratur über Orgelbauer und ihre Werkstätten. Beide Bände zeichnen sich aus durch eine sehr gute Lesbarkeit, umfassende akribische Aufnahme aller wissenswerter Fakten, gute Übersicht. Die Bücher sind sowohl leicht lesbar und können gut für die Praxis verwendet werden.

Der erste Band erschien kurz nach der Wende im Verlag Rensch 1990, der zweite, leider in der Qualität etwas dürftiger ausgefallen, im Musikwissenschaftlichen Verlag, Kleinblittersdorf 1998.

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Mit dem ersten Band „Wilhelm Sauer 1831-1916“ erhalten wir eine hervorragende Darstellung der Geschichte rund um die Firma und Wilhelm Sauer, im zweiten Teil des Buches werden die einzelnen Orgeln der Reihe nach vorgeführt, mit hervorragenden Skizzen oder Fotografien und Dispositionen, die allesamt erläutert werden. Man kann diesen Band wie ein Lesebuch durch die Deutsche Orgelromantik studieren. Es macht unheimlich Spass hierUntersuchungen anzustellen. Nachfolgend das Deckblatt des Buches, Inhalt und ein Musterblatt, das mir besonders gefiel.
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Der zweite Band im Verlag meines Vaters erschienen, beschäftigt sich also ab 1910, wo das Unternehmen bis 1999 im Eigentum der Familie Walcker war, mit der wechselvollen Geschichte durch die zwei Weltkriege und der noch lange nicht aufgearbeiteten Zeit der Ulbricht-Honecker-Ära. Sehr interessant die wirtschaftlichen Zusammenhänge die Falkenberg erläutert, und natürlich werden die Dispositionen, Mixturzusammensetzungen und Windladensysteme sowie Zusammenhänge dazu erläutert.

Hier also Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Beispielblatt

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gwm

Handbuch der Orgelkunde, Winfried Ellerhorst, 1936, online-Ausgabe

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Das Handbuch der Orgelkunde, kurz „der Ellerhorst“ hat jeden Orgelbauer irgendwann gestreift, und sei es nur im negativen Sinne. Der über 840 Seiten schwere Wälzer wurde von einem begeisterten österreichischen Orgelfreund gescannt und Scan samt Buch wieder an mich retourniert. Wir hatten uns vorher geeinigt das Ganze dann online allen Interessenten zur Verfügung zu stellen.

Was bietet uns dieser Band? Eigentlich müsste man ein PDF online stellen, das textlich abgefragt werden kann, damit der Vorteil der lexikalischen Behandlung hier genutzt werden kann. Dies ist aber aus technischen Gründen z.Zt. nicht möglich. Wahrscheinlich wird solch eine Variante Ende des Jahres von mir per DVD zur Verfügung gestellt. Die hier vorliegende Form ist ein komprimiertes PDF-Format, das insgesamt rund 85MByte beansprucht.

Am Inhaltsverzeichnis erkennt man schnell wohin der Hase rennt: I)Grundlagen der Mathematik, Physik, II) der Klang III) Werkstoffe IV) Der Klangkörper der Orgel V) Stimmung der Orgel VI) Winderzeugung und -leitungen VII) Windladen VIII) Die Steuerung der Orgel IX) Der Spieltisch X)Die Dynamik der Orgel XI) Stellung der Orgel im Raum XII) Aufbau der Orgel (Statik, Gehäuse etc) XV) Entwicklung Orgelklangstile XVI) Geschichte ORgelmusik und dann noch Orgelbauer, Orgelsachberater und Vergebung von Orgelbauten, Pflege der Orgel.

Insgesamt also eine rein technische Sicht zur Orgel in der Zeit der 30er Jahre. Also eine sehr begrenzte Perspektive.

Ich denke, dass zur Restaurierung der Instrumente der damaligen Zeit das Hinzuziehen des „Ellerhorst“ immer eine interessante Bereichung darstellt. Bei der technischen Seite allerdings ist schon allein aus der veralteten Formeldarstellung ein gewisses Problem. Hinzu kommt, dass Ellerhorst eine Menge an Formeln eingebracht hat, die kein normaler Orgelbauer je benutzt hat. Ganz gut aber sind die verschiedenen elektropneumatischen Kästchen dargestellt und Steuerungen aus dieser Zeit.

Heute wäre es eigentlich an der Zeit eine griffigere Variante zu erstellen, die mit all dem unnötigen und weit ausholenden Erläuterungen Schluss macht. Ansätze dazu bietet Mahrenholz und Goebel. Dazu wäre eigentlich nur erforderlich die wichtigsten Hebelgesetzte, Windberechnungen, Elektrik und gegenwartsbezogene Elektronik einzubinden. Wenn man dazu noch in der Lage wäre dieses ganze Rechnen in computergestützte Formen einzubringen, würde Ellerhorstens Werk wohl auf 100 Seiten sein Ende finden.

Aber dazu werden wir es im Orgelbau wohl nicht mehr bringen, weswegen die alten Schlachten immer wieder neu geschlagen werden müssen und dann die alten, überlebten Bücher wieder und wieder aufgeschlagen werden müssen.

Das vorliegende Buch hat zwischen Seite 65 und 80 produktionsbedingt fehlende Seiten.

hier also nun : Ellerhorst“Handbuch der Orgelkunde“ PDF 87 MB

gwm

Die Freiburger Praetorius Orgel, Markus Zepf, 2005, Rombach-Verlag

Donnerstag, Februar 5th, 2009

Auf der Suche nach vergangenem Klang.

Das Buch von Markus Zepf, an dem ich in geringem Umfang durch Materialbeistellung etwas mitwirken konnte, war für mich seit seiner Geburtsstunde ein unheimlich spannendes Erlebnis, das, als es mir dann endlich in gedruckter Form in Händen lag, einen tiefen Eindruck auf mich hinterlassen hat.

Die Zeit der 20er Jahre wäre, würde man das Kunststück vollbringen können, die Nazis aus dieser Zeit auszuschliessen, wohl das spannendste Kapitel der deutschen Literatur und damit verwoben auch der deutschen Orgelbaukunst geworden sein. Wobei darüber nichts gesagt sein soll über irgendwelche Qualitäten von Kulturstufen, wie das vielleicht von Oswald Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“ tiefsinnig getan wurde. Je weiter wir aber von dieser Zeit abrücken, um so exotischer wird diese Zeit für uns. Daher sind wir als Nachkriegsgeneration immer dankbar, wenn es Einer geschafft hat, zurückzukriechen ins mythische Dunkel dieser verschlossenen Epoche, um dort ein paar Silberbarren herauszuschälen aus diesem Gebirge, und uns Klarheit zu verschaffen, wie es denn da war, als man fundamentale Orgeln baute, wie jene „Praetorius“ auf Taschenladen, was dann eine ganze Orgelnation bewegt haben soll.

Jedenfalls hat Markus Zepf als umfassend gebildeter Akademiker das Thema „Praetoriusorgel“ und „Klangideale“ so glasklar im Griff gehabt, als der dieses Stück Literatur geschaffen hat, dass er ganz spielerisch die Zusammenhänge mit dieser Zeit „tanzen“ lassen konnte . Und in der Tat werden hier die Klänge und Klangvorstellungen aller Orgelepochen unter die Lupe genommen und auch in Form von Zahlen auf den Tisch gelegt. Wir erfahren etwas über die nicht unproblematischen Begriffe wie „Barock-Orgel“, was Gurlitt in „Früh-Hoch-Spätbarock gliederte und damit den periodischen Wechsel der Zeiten zur Geltung kommen lässt. Und wir erfahren auch die Problematik die hinter solchen Begriffseinteilungen steht.

Das Buch ist in drei Hauptteile unterteilt, 1) die Elsässische Orgelreform 2) Das Instrument aus dem Geist der Musikwissenschaft Die Praetorius Orgel von 1921 und 3) Zur Rezeption der Praetorius-Orgel mit der Freiburger Orgeltagung von 1926

Alle drei Teile werden abschliessend und schön übersichtlich am Ende zusammengefasst erneut serviert.

Das Buch ist für das Verständnis der Nachkriegsbewegung ab 1945 und der Bewegung in den 20er Jahren eine unglaublich große Hilfe, weil viele Bewegungen um Gurlitt, Jahnn, Mahrenholz, Schweitzer und Straube kaum in anderem Schrifttum der neueren Zeit so intensiv durchleuchtet wurden wie eben hier. Dr. Zepf ist Organist und geht die Sache auch durchweg von der hörenden Seite her an, man merkt unwillkürlich in vielen Stellen des Buches, dass hier ein praktisch erfahrerener Orgelspieler und nicht nur ein Schreiber an einer wichtigen Studie gearbeitet hat.

Das Buch wurde von mir bereits zum zweiten Mal gelesen, was überhaupt nicht schwer fällt, denn der Schreibfluss ist durchaus harmonisch bewegt und man kommt in seltensten Fällen ins Stocken. Spannend wird berichtet, wie bei einer aktuellen Reportage.
Pluspunkte:

  • gute Darstellung der historischen Zusammenhänge !!
  • sehr gute Darstellung von Mensuren, Zungen mit Dicken, Kehlenbreiten etc.
  • gutes Literaturverzeichnis
  • sehr gute Lesbarkeit des ganzen Buches

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und hier zwei Seiten

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Die moderne Orgel, Karl Lehr, 1912

Montag, Februar 2nd, 2009

Die moderne Orgel in wissenschaftlicher Beleuchtung.

Karl Lehr war Domorganist in Worms und hat mit diesem Buch, das immerhin 260 Seiten aufweis, zumindest bei der Firma Walcker großen Anklang gefunden, denn sein Buch war im Technischen Büro der Firma ausgelegt, was seine heutigen Spuren nicht verhehlen kann. Es ist völlig zerfleddert.

Lehr hat in diesem Buch etwa 50 Lehrsätze aufgestellt, die er proklamiert und danach begründet. Darunter sind sind solche allgemeinen wie LEHRSATZ 40. Der Obertonreichtum einer Orgelpfeife ist abhängig von dem Material derselben. Sehr gut finde ich die Berechnungen, die Lehr im ersten Teil seines Buches bei den verschiedenen Bälgen demonstriert und akribisch in Zeichen und Formeln hüllte.

Er begründet auf zwei Seiten die Vorteile der pneumatischen Traktur gegen die mechanische, und kommt dann mit der elektrischen Traktur auf die Heidelberg Voit-Orgel zu sprechen und weiter Werke. Das Buch ist eines der wenigen, das ganz ausgiebig auf die Röhrenpneumatik eingeht und das auch gute Grafiken dazu mitliefert.

Eine weitere Stärke dieses Bandes ist die Beschreibung des Orgelklanges, von den einzelnen Register bis zur Disponierung, Registrierung und verschiedener Musterdispositionen.

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gwm

Die Orgel-Register und ihre Klangfarben, Carl Locher, 1912

Montag, Februar 2nd, 2009

Ein Nachschlagewerk für Organisten, Physiker und Physiologen.

Eine Schrift, die von einem Organisten so gehalten ist, dass der Kollege es versteht. Man nimmt es gerne in die Hand, obwohl man weiß, dass keine Universalität damit verbunden ist, die ist eher bei Eberlein zu finden.

Bei Locher hingegen haben wir noch den Finger am Puls der Zeit und wir haben einen typischen Organisten aus dieser Zeit am Wickel, der sich je nach Laune und Gutdünken über die „Melodiekoppel“ ergötzen kann und der auch zwanglos über Spieltischanlagen und „Pneumatik“ über zwei Seiten referiert. Oder er beschreibt im Register „Posaune“ wie in Rotterdam ein Dr. von Schack Experimente mit einer schwingenden Stahlfeder gemacht hat, um den tiefsten hörbaren Ton herauszufinden. Also es ist mit Sicherheit keine wissenschaftlich tiefsinnige Analyse, die uns hier unter die lesenden Augen fällt, sondern eher etwas“Gemütliches“, das am brennenden Kamin mit einem Glas elsässischen Gewürztraminer in der Hand, seine beste Wirkung entfacht. Irgendwie hört man immer Orgelklänge während des Lesens, vielleicht die immanente Physiologie des Buches.

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gwm